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Wie man das gemeinhin als Kunsthandwerk abgetane Gefäß
zur künstlerischen Skulptur nobilitiert, dem Gebrauchsgegenstand
ästhetisches Leben einhaucht und die schlichte Vase zum Kunstobjekt
macht, beweisen aufs Schönste die Arbeiten der Nürnberger
Künstlerin Inge Gutbrod. Seit Jahren beschäftigt dieses
brisante Thema, die Gratwanderung zwischen Kunsthandwerk und Kunst,
die eher im Stillen arbeitende Künstlerin, die immer dann,
wenn sie sich - selten genug - mit einer Einzelausstellung in ihrer
Heimat an die Öffentlichkeit wagt, umso mehr zu sagen hat.
Jetzt stellt Inge Gutbrod das Ergebnis ihrer in Jahren ausgereiften
Arbeiten in einer großen Doppelausstellung der Städtischen
Galerie Fürth und des Museums Lothar Fischer im oberpfälzischen
Neumarkt vor - eine ebenso lapidare wie eindrucksvoll nüchterne,
unpathetische Leistungsschau einer Künstlerin.
In der Fürther Ausstellung läuft das im Wesentlichen auf
zwei gewichtige Arbeiten hinaus, die raum- und wändefüllend
die begrenzten Räumlichkeiten der Städtischen Kunstgalerie
beeindruckend in Szene setzen. Die Wandarbeit "let's dance"
bringt mit 28 siebbedruckten Blättern die Galerie buchstäblich
so zum Tanzen, dass dem Betrachter die Augen übergehen: Kugeln
gleich rollen auf jedem Blatt rostrote Kreise, jeweils 18 an der
Zahl und in Quadratfelder gedrängt, über die Galeriewand,
ein serieller Bilderbogen, den man als Hommage an den großen
seriellen Künstler Victor Vasarely lesen mag. Davor, nicht
minder überwältigend einfach, die übermannshohe "Große
Vasenskulptur" - zehn aufeinander getürmte Gefäße,
die sich wie zu einem Flora-Brunnen des Barock fügen. -
In den lichtvollen Sälen des Lothar-Fischer-Museums in Neumarkt
dagegen holt die Künstlerin die Natur nach innen, ins museale
Gehäuse - "Land-Art under cover" gleichsam als eine
besondere Art der bildhauerischen Abstraktion, die die Natur zur
Kunst verfremdet. Der Baumstamm denaturiert dann zur geschichteten,
antikisch anmutenden Stele, das Seerosenblatt schwimmt als wächserne
Scheibe tellergleich auf dem künstlichen Teich, der als Rauminstallation
mit dem musealen Interieur verschmilzt. "Drinnen" und
"draußen" heben sich in künstlerischer Überhöhung
auf, so wie in dem Raumobjekt "Vitrine" die aus Wachs
geformten Vasen, Amphoren und Becher nur noch als schemenhafte Silhouetten
das "Gefäß an sich" visualisieren. Was in den
wunderbaren Leuchtkästen gipfelt, die quadratische Felder aus
farbigem Wachs wie gotische Glasfenster sakral erstrahlen lassen.
Gerade weil die Künstlerin den Materialcharakter ihrer zumeist
aus Wachs oder glasfaserverstärktem Kunststoff geformten Objekte
nicht hervorkehrt, ja geradezu ausblendet und ihre Gefäßen
wie aus Porzellan erscheinen lässt, spitzt sie den Eindruck
der Künstlichkeit zu - und vollzieht in dieser Abstraktion
der reinen Form den Schritt von der Künstlichkeit zum Kunstwerk.
Friedrich J. Bröder
Inge Gutbrod: "Neue Arbeiten". - Städtische Galerie
Fürth, Königsplatz 1. Bis 11. Juni; Di. bis Sa. 13 - 18
Uhr, So. 11 -17 Uhr / Museum Lothar Fischer, Neumarkt, Weiherstr.
7. Bis 16. Juli; Mi. bis Fr. 14 - 18 Uhr; Sa., So. 11 - 18 Uhr.
- Katalog zu beiden Ausstellungen, 96 S., 16 Euro.
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